Reportage: Eine Schülerin des BG/BRG Pestalozzi begleitet eine Richterin am Landesverwaltungsgericht Graz
„Schuldig“- äußert sich Eva Schermann, die mit ihrer schwarzen Robe im Gerichtssaal sitzt und mit einer markanten Miene mit ihrem Hammer auf den Tisch klopft. So würde der Alltag von Richterin Schermann aussehen, wäre ihr Leben eine Fernsehshow. Doch um Richterin zu sein, bedarf es mehr als der Durchführung von Gerichtsverhandlungen. Hohe fachliche Kompetenz, Präzision, Selbstständigkeit und ein durchkonstruiertes Zeitmanagement sind unerlässlich für diesen Job. Fernab des Fernsehgerichts, hat die Richterin eine Vielzahl an realen Gesetzen anzuwenden.
Das Steiermärkische Landesverwaltungsgericht liegt im Zentrum von Graz und entscheidet über Angelegenheiten, die das Verwaltungsrecht betreffen. Richterin Eva Schermann, die für gewerbliche Betriebsanlagen, Bergbauanlagen und Veranstaltungsstätten, für Verkehrs – und Führerscheinrecht sowie Glücksspielrecht zuständig ist, gewährt uns einen Einblick in die Welt der Justiz.
Das Landesverwaltungsgericht besteht aus einer Präsidentin oder eines Präsidenten, einer Vizepräsidentin oder eines Vizepräsidenten mit den jeweiligen Richterinnen und Richtern sowie Gerichtabteilungsleiterinnen und Leiter, Assistenzbereich, Controlling und noch vieles mehr.
Das Motto, welche die Richterinnen und Richter pflegen, ist: Unabhängigkeit, Unabsetzbarkeit und die Unversetzbarkeit. Die Richterinnen und Richter sind unabhängig, unversetzbar und unabsetzbar, notwendige Voraussetzungen für die Rechtsstaatlichkeit. Bei der Frage „Herz oder Kopf“ muss das Herz ausgeklammert werden, denn in diesem Beruf zählt das Gesetz. Sobald Richterin Schermann den Gerichtsaal betritt, heißt es, den Antrag von Personen bzw. das Verhalten angeklagter Personen am Maßstab der Gesetze zu prüfen und die persönlichen Eindrücke der Personen bei der Beweiswürdigung einfließenzulassen, wobei die eigene Erwartungshaltung jedoch unberücksichtigt bleiben muss.
Die Arbeitszeiten einer Richterin und eines Richters sind unterschiedlich. Es ist erwähnenswert, dass man sich die Zeit selbst einteilen kann, solange der Output stimmt. Das bedeutet, dass man den Job dank der elektronischen Aktenverwaltung wie Richterin Schermann erwähnt: „quasi auf der ganzen Welt ausüben kann“. Jedoch muss betont werden, dass man bei durchschnittlich acht bis zehn Gerichtsverhandlungen, die pro Monat durchzuführen sind, selbstverständlich anwesend sein muss.
Die größte Herausforderung für Richterin Schermann ist, jedes Gesetz zu beherrschen. Richterin Schermann kritisiert auch die Gesetzgebung, da täglich neue Gesetze hinzukommen, aber die Zusammenhänge zwischen ihnen oft nicht bedacht werden. Sie betont, dass das Entscheiden nach dem Gesetz nicht immer zu Gerechtigkeit führt.
Um den Alltag erfolgreich zu gestalten, gibt es die kleinen Helferinnen und Helfer, die jedoch eine große Aufgabe tragen. Ohne diese unterstützenden Hände müssten Richterinnen und Richter teils problematische und anstrengende Anrufe selbst erledigen, Termine selbst organisieren und Diktate, die beim Gericht entstanden sind, selbst übertragen. Dadurch, dass sie viele nicht juristische Aufgaben abnehmen, erleichtern sie den Richterinnen und Richter des Landesverwaltungsgericht die Arbeit sehr. Zwei Geschäftsabteilungsleiterinnen betonen, dass in dem Job kein Platz für Langeweile ist. Die verrückteste Geschichte, die sie preisgaben, war wohl die eines Mannes, der seine Schlange im Ärmel seiner Jacke versteckte und diese dann stolz herzeigte.
Die Fälle die Richterin Schermann zu bearbeiten hat, mögen nicht immer die beeindruckendsten sein, ihre Entscheidungen haben aber zweifellos entscheidenden Einfluss auf ein funktionierendes Miteinander. Hier wird Recht gesprochen, und es geschieht auf eine Weise, die oft spannender ist als jede Gerichtsshow im Fernsehen.
Aida Zulum